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Geschwisterliebe - der richtige Zeitpunkt für das zweite Kind?

„The greatest gift our parents gave us was each other“

Unbekannt

 

Eigentlich war schon immer klar, dass ich gerne mal zwei Kinder möchte. Auch als mit dem besten Mann der Welt irgendwann das Thema Kinder aufkam, deckte sich unsere Vorstellung: Ein Geschwisterpärchen wäre toll. Junge und Mädchen ploppten da automatisch in unseren Köpfen auf, sogar auf zwei Namen hatten wir uns schon seit Jahren eingeschossen (die es letztendlich lustigerweise beide nicht geworden sind, denn wenn es real wird, macht man sich doch noch mal ein paar andere Gedanken).

 

Der schwierige Anfang mit der besten Tochter der Welt, der sowohl uns als Paar, als auch mir persönlich als frisch gebackene Mutter in den ersten Monaten wirklich sehr viel abverlangte, holte mich aber schnell von der rosa Babywolke herunter und ließ mich ernsthaft zweifeln, ob ein Geschwisterchen in den nächsten 20 Jahren rein nervlich für mich im Bereich des Möglichen liegen könnte. Ich konnte mir schlicht und einfach nicht vorstellen, wie irgendjemand das schaffen soll.

 

Nachdem der Sturm sich nach einem halben Jahr langsam verzog, ich immer mehr in meine Mutterrolle fand und im Folgenden die beste Tochter der Welt essen, sitzen, laufen, schlafen (!), sprechen, und so vieles mehr gelernt hatte, keimte er schnell wieder auf, der Wunsch nach einem zweiten Kind. Etwas in mir sagte dann, als die beste Tochter der Welt etwa 15 Monate alt war, einfach „Tut es jetzt, sonst tut ihr es vielleicht nie“ - dass es dann so schnell klappen würde und der beste Sohn der Welt sich im darauffolgenden Monat schon auf den Weg machte, damit hätten wir ehrlicherweise nicht gerechnet, aber es war genau richtig so, denn kurze Zeit später hätte ich tatsächlich garantiert einen Rückzieher gemacht:

 

Einen Monat darauf kam nämlich, nach einer recht langen und verhältnismäßig entspannten Zeit des Durchschlafens, aus der heraus wir übermütig das zweite Kind herbeigewünscht hatten, eine ebenso lange Periode der durchwachten Nächte am Kleinkindbett, die sich eigentlich durch die gesamte Schwangerschaft (und darüber hinaus) zog. Auch der Beginn der sogenannten Trotzphase fiel genau in diese Zeit… Mehr als einmal habe ich in den ersten schwangeren Wochen morgens, mit Augenringen des Todes über die Kloschüssel gebeugt, gedacht „Was hast du dir dabei bloß gedacht? Kaum aus dem gröbsten raus und direkt nachlegen?! Was für eine Schnapsidee…“ Sowas macht einem ja dann SOFORT ein schlechtes Gewissen. Aber muss es das? Darf man nicht auch mal zweifeln? Ich finde schon. Die allermeiste Zeit meiner zweiten Schwangerschaft war trotz der fehlenden rosaroten Brille genauso von Vorfreude geprägt wie die erste auch, wenngleich ich einen gehörigen Respekt vor der ersten Zeit mit zwei solch kleinen Kindern hatte, weil man ja nun mal schon weiß, was einen so ungefähr erwartet, bzw. erwarten kann.

 

Letztendlich haben wir uns als Familie, wie man das eben so macht, durch diese anstrengende Zeit zusammen durchgewurschtelt (und tun es noch, vermutlich noch bis die Kinder eines Tages aus dem Haus sind). Der beste Mann der Welt hat mir gerade gegen Ende der Schwangerschaft viel abgenommen und oft auch Nachtschichten übernommen, damit ich genug Schlaf bekomme. Die besten Omas und Opas der Welt haben mir tagsüber viel geholfen und waren abrufbereit, als die Wehen einsetzten und es in der Zeit nach der Geburt ermöglicht, dass wir als neue Familie zu viert zusammenwachsen können, aber auch jeder mit jedem einzeln Quality Time verbringen kann, um sich richtig kennen zu lernen.

 

Wenn man denn nach „nur“ 9 Monaten Zweifach-Mama-Dasein überhaupt ein Fazit ziehen kann, dann würde ich sagen: Ich würde alles wieder genauso machen. Der geringe Altersabstand von nur 2 Jahren, gerade wenn das große Kind noch nicht in eine Fremdbetreuung geht, ist gewagt. Mutig. Ein bisschen verrückt. Anstrengend. Jeden Tag eine Herausforderung, die Bedürfnisse von zwei so kleinen Kindern, die so wenig Geduld und Vernunft und Einsicht, aber dafür so viel Willenskraft und Hunger und volle Windeln haben, unter einen Hut zu bringen. Aber es macht einen auch jeden Tag ein kleines bisschen stolz, dass man das irgendwie wuppt. Und glücklich, wenn man sieht, wie lieb sich zwei Geschwister nach so kurzer Zeit schon haben können, wenn die anfängliche Eifersucht sich erst mal gelegt hat. DEN EINEN richtigen Zeitpunkt gibt es sowieso nicht, weil jeder Altersabstand, ob nun winzig klein oder wahnsinnig groß, seine Tücken mit sich bringt. Aber wenn nicht etwas gehörig schief läuft, haben meine Kinder im jeweils anderen einen Freund fürs Leben, und das ist irgendwie ein beruhigendes Gefühl.

 

Bis bald, ich wünsche euch erfüllte Tage und erholsame Nächte!

 

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