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Nie wieder schwanger sein - wenn einen die Wehmut packt

"Die Wehmut ist der Spiegel des Glücks."

Bettina von Arnim

 

Heute hatten mein Mann und ich dank der besten Großeltern der Welt zum zweiten Mal überhaupt seit Geburt unseres zweiten Kindes fast einen ganzen Tag zu zweit. Wir nutzen diese kostbaren Stunden dann momentan nicht für irgendwelche liegengebliebenen Dinge, sondern wirklich nur für uns: Wir fahren in unsere liebste Saunalandschaft und lassen es uns richtig gut gehen.

 

Wie in der Sauna so üblich, sah man dort auch heute wieder viele dicke Bäuche. Die gehören meistens beleibten Rentnern, aber diesmal auch verdammt vielen Schwangeren. Vielleicht waren es aber auch gar nicht mehr Schwangere als sonst, sondern sie sind mir einfach nur besonders aufgefallen, weil ich momentan etwas wehmütig bin, was das Thema angeht. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich mit diesem seltsamen Gefühl den Nerv vieler Frauen treffe oder eher allein auf weiter Flur stehe, aber ich erzähle einfach mal, was so in mir vorgeht…

 

Also, es ist so: Ich bin ziemlich gerne schwanger. Bis auf die üblichen Wehwehchen habe ich beide Schwangerschaften sehr genossen, ja fast zelebriert. Der positive Schwangerschaftstest legt einen Schalter um und meine ewige Problemzone Bauch verwandelt sich dann wie durch Zauberhand innerhalb von 2 Minuten mit dem zweiten Strich von einem unbeliebten, eingezogenen, versteckten Teil meines Körpers zu einem willkommenen, der mit Stolz durch die Gegend getragen und betont werden darf, weil er ein kleines Wunder in sich trägt. Schwanger fühle ich mich einfach wohl, wie ich bin und komischerweise am allerschönsten, auch wenn ich das spätestens gegen Ende mit 17 Kilo Plus objektiv betrachtet nicht mehr unbedingt bin. Also in meiner Erinnerung schon - aber die Fotos, die von mir in der 40. Woche existieren, erzählen etwas anderes. Höhö.

 

Nun ist es aber so, dass ich das Leben mit zwei Kindern schon ziemlich erfüllend bis anstrengend finde, und wir uns auch einig sind, dass wir mit dem besten Sohn und der besten Tochter der Welt nun komplett sind und ein drittes Kind für uns nicht in Frage kommt, weder bald noch später. Heißt, das war’s dann aber auch mit schwanger sein, denn das eine ohne das andere gestaltet sich eher schwierig, wenn ich mich nicht gerade als illegale Leihmutter selbstständig mache. Kein guter Plan.

 

Ja, und das ist irgendwie ein merkwürdiges Gefühl, das mich seit Monaten immer wieder überrollt, wenn ich Schwangere sehe. Mit 30 zu wissen, das nie wieder selbst zu erleben, obwohl es so schön ist und der Körper ja theoretisch noch könnte, hat etwas Dramatisches für mich. Nie wieder Tritte von innen spüren. Nie wieder eine Geburt überstehen. Nie wieder winzige Bodys in Größe 56 kaufen. Ich muss mich dann richtig zusammenreißen, nicht zu verträumt hinzustarren, auf die hübschen Kugelbäuche. Wie der dazugehörige Mann in der Sauna liebevoll die Hand auf den Babybauch legt, um zu fühlen, wie das Kleine beim Aufguss strampelt. Wehmut? Neid? Mitfreude? Alles zusammen?

 

Woher kommen diese ambivalenten Gefühle? Liegt das Frauen einfach in den Genen? Ist das der ganz normale Fortpflanzungstrieb? Die tickende biologische Uhr? Abfallender Hormonspiegel nach dem Abstillen? Oder bin ich vielleicht die einzige, die diese Art von Schwangerschaftswehmut nach abgeschlossenem Kinderwunsch spürt? Kennt das noch wer? Und gibt sich das von alleine, hoffentlich noch vor den Wechseljahren? Ich warte gespannt und versuche in der Zwischenzeit, alle kommenden letzten Male mit meinen Kindern noch bewusster zu genießen, denn genießen schadet bekanntlich nie.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Melanie (Montag, 30 April 2018 23:09)

    Mir geht's genauso. Mit meinen 3 Kindern komme ich oft an die Grenzen. Ich habe die Schwangerschaft aus gesundheitlichen Gründen nicht so genießen können, es war viel Angst dabei. Jedoch vermisse ich es auch mit allem was dazu gehört. :-) die Kleider die jetzt zu klein sind endgültig in den Keller zu räumen mit dem Gedanken das war's dann tut schon etwas weh. Aber es ist so wie es ist, man muss aufhören wenn es am schönsten ist �

  • #2

    Wioleta (Dienstag, 01 Mai 2018 09:41)

    Das Gefühl kenne ich zu gut!
    Da meine erste Schwangerschaft sehr problematisch verlaufen ist, waren wir uns beide lange nicht sicher, ob wir noch ein Baby möchten. In dieser Phase bin ich jedes mal in ein tiefes Loch gefallen sobald jemand in unserer Umgebung schwanger würde und habe manchmal tagelang geweint.
    Nach langen Überlegungen haben wir uns doch dazu entschieden. Die Kinder werden werden dann einen Altersunterschied von fast 6 Jahren haben. Und der Verlauf dieser Ss wird entscheiden, ob es noch Baby nr 3 geben wird.

  • #3

    Mama ist die beste (Samstag, 05 Mai 2018 09:12)

    Du sprichst mir aus der Seele meine Liebe...
    Ich habe zwei wunderschöne wunderbare Kinder und die Schwangerschaft genossen bis zum letzen Moment (bisschen jammern muss sein) ich will ja nicht prahlen aber ich bin halt auch ein Tier im Gebähren, das hab ich echt perfektioniert...�� auch mein Herz wird schwer bei dem Gedanken all dieses Glück nicht mehr zu erleben...❤️